Reisen zu Coronazeiten: Umsetzung an Bord der MS Inspire von VIVA Cruises

Das Fiebermessen vor dem Check-In ist Pflicht und wurde täglich wiederholt
Das Fiebermessen vor dem Check-In ist Pflicht und wurde täglich wiederholt

Zu Beginn der Sommerferien ist das Reisen in Coronazeiten möglich geworden. Reisen im Inland erfreuen sich großer Beliebtheit, aber auch ins Ausland dürfen wir mittlerweile wieder fliegen. Eins haben alle Reisen gemeinsam: Wir müssen uns alle an gewisse Regeln halten.

Doch trotz der Lockerungen kann der Tourismus noch nicht wieder aufatmen, ganz besonders betroffen ist die Kreuzfahrtbranche. Während die Hochseeschiffe größtenteils noch aufliegen und in Deutschland erst langsam wieder starten, hat die Flusskreuzfahrt bereits deutlich Fahrt aufgenommen.

Die erste Flusskreuzfahrt fand ab Pfingsten auf der nickoVISION statt. Bald darauf folgten auch andere Anbieter. VIVA Cruises hat besonders schnell reagiert und neue Kurzreisen mit der MS Inspire und der MS Treasures aufgelegt.

Wir durften auf einer der ersten Reise der MS Inspire dabei sein und berichten euch über unsere Erfahrungen, wie es sich anfühlt, zu Coronazeiten auf einem Flusskreuzfahrtschiff zu reisen.

Die VIVA Cruises Checkliste

VIVA Cruises hat mit dem Neustart der Schiffe eine Checkliste entwickelt. Dazu zählen unter anderem das Screening der Gäste vor Reisebeginn durch einen umfangreichen Gesundheitsfragebogen der WHO und tägliches, verbindliches Fiebermessen, verstärkte Desinfektion der öffentlichen Bereiche nach festem Zeitplan und Aufstockung der Desinfektionsgeräte, ein optimiertes Restaurantkonzept mit vergrößertem Tischabstand und Service am Platz sowie eine reduzierte Gästeanzahl bei Landausflügen mit kabellosem Info-System.

Im Atrium sind alle Maßnahmen auf einem Roll-Up aufgeführt
Im Atrium sind alle Maßnahmen auf einem Roll-Up aufgeführt

Maskenpflicht an Bord der MS Inspire

Die AHA-Regel, die wir ja seit längerem schon aus unserem Alltag gewohnt sind, gilt selbstverständlich auch an Bord. So herrscht an Bord der MS Inspire in allen öffentlichen Bereichen Maskenpflicht. Ausgenommen davon sind natürlich die eigene Kabine und das Oberdeck beziehungsweise alle Bereiche, die sich an der frischen Luft befinden. Abgenommen werden dürfen die Masken im Sitzen. Das gilt selbstverständlich für die Restaurants, die Bar und die Panorama Lounge.

Maske tragen an Bord ist Pflicht!
Maske tragen an Bord ist Pflicht!

Die Crewmitglieder hingegen müssen die Masken während ihrer gesamten Dienstzeit tragen. Das Personal an Bar und in den Restaurants trägt zusätzlich noch Einmalhandschuhe. Insgesamt sind wir positiv überrascht gewesen, wie konsequent Gäste und Crew sich an die Maskenpflicht gehalten haben.

Nichtsdestotrotz ist es hin und wieder passiert, dass der ein oder andere Gast nach dem Landgang beim Betreten des Schiffes die Masken vergessen hat aufzusetzen. Hier hätten wir uns noch mehr Konsequenz vom Personal gewünscht, die Gäste auch darauf hinzuweisen.

Hotelmanager Planem bei der Begrüßung in der Lounge
Hotelmanager Planem bei der Begrüßung in der Lounge

Weniger gut gefallen hat uns jedoch, dass die Kreuzfahrtdirektorin selbst die Maske während der gesamten Reise konsequent unter der Nase und damit falsch getragen hat. Als Stimme und Gesicht des Schiffes hätten wir uns hier mehr Verantwortung und Vorbildfunktion von ihr gewünscht. Der Hotelmanager hat sich hier dagegen sehr positiv hervorgetan.

Hygienemaßnahmen an Bord der MS Inspire

Neben der Maskenpflicht an Bord ist natürlich auch die Hygiene während der Reisen zu Coronazeiten sehr wichtig. Vor dem ersten Betreten der MS Inspire, wurde jeder Gast dazu aufgefordert, sich die Hände zu desinfizieren, bevor es mit dem Check-In weitergehen konnte. Die Desinfektionsautomaten standen jederzeit an den Schiffseingängen sowie vor den Restaurants und der Lounge.

Am ersten Abend war auch noch ein Crewmitglied am Eingang des Restaurants dafür zuständig, uns nicht nur unseren Tisch zu zeigen, sondern auch darauf zu achten, dass sich jeder vor dem Betreten die Hände desinfiziert. Hier hätten wir uns gewünscht, dass dies jeden Tag vor den Restaurants und am Ende des Landgangs so gehandhabt wird, um sicherzugehen, dass wirklich jeder Gast die Geräte nutzt. Allerdings befürchten wir, dass dies aufgrund der verringerten Anzahl an Crewmitgliedern nicht umgesetzt werden kann.

An Bord gibt es zahlreiche Hinweise, auch zur eigenen Hygiene in Coronazeiten
An Bord gibt es zahlreiche Hinweise, auch zur eigenen Hygiene in Coronazeiten

Neben den in der oben erwähnten Checkliste aufgeführten Hygienemaßnahmen wie der verstärkten Desinfektion der öffentlichen Bereiche nach festem Zeitplan und Aufstockung der Handdesinfektionsgeräte, sind uns aber auch noch weitere Maßnahmen aufgefallen.

Wie bereits erwähnt, trugen die Crewmitglieder neben dem Mund-Nase-Schutz Einmalhandschuhe. Außerdem sollten Getränkebestellungen meist selbst vom Tablett genommen werden. So kamen sich Kellner und Gast nicht zu nahe. Zudem wurden im Restaurant Papier- anstelle von Stoffservietten verwendet. Lediglich am letzten Abend zum Abschiedsmenü fanden wir Stoffservietten auf dem Tisch vor, um dem Abend einen feierlicheren Rahmen zu geben.

Öffentliche Getränkeautomaten sind zu Coronazeiten gesperrt

Auch die Toiletten und die Getränkeautomtaten in den öffentlichen Bereichen waren gesperrt.

Die tägliche Kaffeepause wurde nicht in Buffetform serviert, sondern in kleinen Portionen auf einem Servierwagen von der Konditorin von Tisch zu Tisch gefahren. Das fanden wir eine tolle Idee und so lernt man auch gleich noch die Bäckerin persönlich kennen.

Die süßen Spezialitäten werden auf dem Servierwagen von Tisch zu Tisch gefahren
Die süßen Spezialitäten werden auf dem Servierwagen von Tisch zu Tisch gefahren

Zudem stand zwar jeden Abend Wasser auf dem Tisch, allerdings in großen Plastikflaschen. Das sieht zwar erstmal weniger ansprechend aus, hat aber einen interessanten Nutzen, wie wir herausfinden konnten. Hatten wir abends eine neue Wasserflasche geöffnet und nur halb verbraucht, so fanden wir die angefangene Flasche dann am nächsten Tag mit unserer Tischnummer beschriftet vor. Diese Vorgehensweise finden wir in Coronazeiten sehr gut, denn so kann sichergestellt werden, dass niemand anderes als der Kellner und uns diese Flasche anfasst und benutzt.

Allgemeine Maßnahmen auf der MS Inspire

Neben der Maskenpflicht und den Hygienemaßnahmen im Service hat VIVA Cruises aber noch einiges mehr an Bord eingeführt. Grundsätzlich fährt jedes Schiff mit geringerer Auslastung als eigentlich möglich. Die MS Inspire hat normalweise Platz für bis zu 142 Passagiere, zu Coronazeiten lastet VIVA Cruises die Schiffe aber nur zu maximal 70% aus. Auf unserer Reise Mitte Juli waren so nur 83 weitere Gäste mit uns an Bord.

Abstand zu halten gilt auch auf dem Oberdeck
Abstand zu halten gilt auch auf dem Oberdeck

Wie in der Checkliste bereits erwähnt, herrscht ein vergrößerter Abstand zwischen den Tischen. Das gilt aber nicht nur in den Restaurants. Auch an der Bar und in der Lounge wurde auf einen möglichst großen Abstand zwischen den Sitzgelegenheiten geachtet. Während dies in Bar und Lounge kaum auffällt, hat es im Restaurant leider eine etwas ungemütlichere Atmosphäre zur Folge. An unserem Tisch war es beispielsweise nicht möglich gegenüber voneinander zu sitzen, damit der Abstand zu den Nachbartischen gewahrt werden kann.

Ebenso gilt auf der gesamten MS Inspire die sogenannte Einbahnstraßenregelung. Pfeile auf dem Boden markieren die Laufrichtung. Dennoch kann es an manchen Stellen manchmal vorkommen, dass man sich begegnet. Aber für diesen Fall gibt es ja dann auch immer noch die Maskenpflicht. Der Lift an Bord ist zudem außer Betrieb und kann nur in Sonderfällen nach Absprache genutzt werden.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Reise war das tägliche Fiebermessen, das für jeden Gast an Bord verpflichtend ist. Der Termin wurde von der Kreuzfahrtdirektion an die jeweiligen Liegezeiten und das Bordprogramm angepasst, sodass es für jeden Gast ohne Einschnitte in die Tagesgestaltung möglich war, daran teilzunehmen. Auch für die Crew ist das Fiebermessen verpflichtend, bei ihnen sogar drei Mal täglich.

Wie wir im Gespräch mit Andrea Kruse, COO von VIVA Cruises, erfahren haben, haben alle Schiffe des Veranstalters Coronatests an Bord. Zum einen die Schnelltests, die innerhalb von 30 Minuten ein Ergebnis anzeigen können und zum anderen einen 24-Stunden-Test, für den auch eine Speichelprobe benötigt wird.

Noch vor Beginn der Flusskreuzfahrt haben wir einen Fragebogen ausfüllen müssen. Dieser beinhaltet fünf Fragen zum Thema Coronavirus, beispielsweise ob man Symptome zeigt oder Kontakt zu Infizierten hatte. Dieser wird nach dem ersten Fiebermessen vor dem Schiff beim Check-In abgegeben. Jede Reise bei VIVA Cruises wird aktuell von einem Allgemeinmediziner begleitet.

VIVA Cruises Gesundheitsfragebogen
VIVA Cruises Gesundheitsfragebogen

Gut gefallen hat uns auch, dass die Bildschirme in den öffentlichen Bereichen nicht nur Informationen zum Schiff und der Besatzung, sondern auch Hinweise zu den Coronamaßnahmen an Bord gegeben haben. So wurden dort unter anderem die klassischen Verhaltenshinweise angezeigt, die wir bereits von daheim kennen: Abstand halten, Maske tragen oder auch sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen.

Tatsächlich sind fast alle sonstigen Einrichtungen der MS Inspire zu nutzen gewesen. Nur der Friseur und der Massagebereich waren dauerhaft geschlossen. Der Bordshop, die Sauna und der Fitnessbereich waren hingegen geöffnet. Für Sauna und Fitness müssen die Gäste sich lediglich vorher für einen Zeitslot anmelden. Auch der Whirlpool auf dem Oberdeck kann in Coronazeiten genutzt werden. In diesen dürfen dann allerdings nur maximal zwei Personen aus derselben Kabine.

Sogar der Whirlpool kann zu Coronazeiten genutzt werden
Sogar der Whirlpool kann zu Coronazeiten genutzt werden

Das Wohnen auf der Kabine war hingegen gar nicht eingeschränkt. Benötigt man Roomservice, so gibt es auf der Kabine ein Schild, das außen an die Tür gehängt werden muss. Dieses dient als Signal für die Kabinenstewardess, dass sie die Kabine reinigen darf. Zu dieser Zeit dürfen sich die Gäste dann nicht auf der Kabine aufhalten oder sie auch nur kurz betreten. Wir haben es meist so gelöst, dass wir das Schild rausgehangen haben, bevor wir auf einen Ausflug gegangen sind. 

In unserem Badezimmer haben wir noch ein Handdesinfektionsspray vorgefunden. Das haben wir als eine nette Aufmerksamkeit erachtet, kann man sich dieses doch leicht einstecken und mit an Land nehmen oder jederzeit an Bord benutzen.

Ausflugsorganisation an Bord der MS Inspire

Auch die Ausflugsgestaltung hat VIVA Cruises angepasst. So erhält jeder Gast ein eigenes Audiogerät mit Ladestation und Kopfhörer. Am Ende der Reise werden Gerät und Ladestation natürlich wieder abgegeben. Der Kopfhörer ist hingegen nur für den eigenen Gebrauch gedacht und kann nach dem letzten Ausflug entsorgt oder mit nach Hause genommen werden.

Die Audiogeräte haben nicht nur einen hygienischen Nutzen, auch während des Ausflugs erleichtern sie das Abstandhalten, da man den Guide über den Kopfhörer jederzeit auch aus mehreren Metern Entfernung gut verstehen kann.

Ausflug mit Abstand in Andernach
Ausflug mit Abstand in Andernach

Für jeden Ausflug mussten wir vor Teilnahme auch unsere Daten in eine Liste eintragen. Dazu zählen Name, Adresse, Telefonnummer und Kabinennummer.

Ausflugsgruppen dürfen außerdem nicht größer als 15 Personen sein. Melden sich mehr Gäste für einen Ausflug an, entstehen so mehrere kleine Gruppen. Bei den beiden Ausflügen, die wir während der Reise gemacht haben, hat das auch sehr gut funktioniert. Andrea Kruse erklärte uns hierzu außerdem, dass VIVA Cruises derzeit versucht, auf Ausflüge mit Bussen zu verzichten.

Außerdem gibt es keine Ausflugstickets. Auch das Tagesprogramm und die Ausschiffungsinformationen werden nicht auf die Kabine gebracht, sondern hängen am Platz der Kreuzfahrtdirektion und an der Pinnwand im Treppenhaus. Das Tagesprogramm lässt sich aber auch über den Fernseher auf der Kabine einsehen.

Unser Fazit zu den Coronamaßnahmen an Bord der MS Inspire

Alles in allem sind wir der Meinung, dass die beschriebenen Maßnahmen sehr sinnvoll sind und an Bord auch gut umgesetzt werden. Natürlich gibt es noch einige Kleinigkeiten, die wir oben erwähnt haben, die noch verbessert werden könnten. Aber grundsätzlich liegt die Verantwortung letztendlich bei uns als Gast.

Es ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich zu Coronazeiten an die Maßnahmen zu halten und sie entsprechend umzusetzen. Hier müssen wir das Vertrauen ineinander haben, dass wir uns gegenseitig schützen. Wir können voller Überzeugung sagen, dass niemand Angst vor einer Reise auf dem Fluss haben muss. VIVA Cruises hat alles getan, um die Reisen komfortabel und sicher zu gestalten und dann liegt es an jedem selbst, dass es auch dabei bleiben kann, dass wir zu Coronazeiten reisen dürfen.